MULTIPLE SKLEROSE

WAS? Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe, multifaktorielle Krankheit, die durch das Zusammenspiel von Umweltfaktoren und dem genetischen Hintergrund entsteht. Die Krankheit greift Patienten auf dem neurologischen Level an und zeichnet sich häufig durch eine Reihe von kritischen Ereignissen (Schübe) aus, die in unvorhersehbaren Zeitabständen auftreten und den Gesundheitszustand des Patienten verschlechtern (Fortschreiten der Behinderung). Das Ziel ist es, die Rückfälle zu verzögern, so dass die Krankheit über eine längere Zeitperiode besser bewältigt werden kann für eine erhöhte Lebensqualität.

Zusammen lösen die unterschiedlichen Faktoren bei MS eine Kaskade von Ereignissen aus, die das Immunsystem betreffen. Entzündliche Verletzungen von Myelin, Axonen und Glia, strukturelle Reparaturmechanismen, Gliose und neurale Degeneration können die Folge sein. Die zugehörigen Mechanismen umfassen immunvermittelte Inflammation, oxidativen Stress und Exzitotoxizität, was alles zur Beschädigung von Oligodendrozyten, zu neuralen Schäden und sogar Zelltod führt und somit die Krankheitsprogression fördert. Die ansteigende Prävalenz von MS, kombiniert mit der nur teilweisen Effizienz und den Nebenwirkungen existierender Behandlungen, hat die Entwicklung neuer, innovativer, effektiverer, sicherer und präventiver Strategien forciert. Bei den meisten Menschen mit MS entwickelt sich die Krankheit langsam mit einer Reihe von unvorhersehbaren Schüben (Attacken von neurologischen Symptomen). Es gibt aber auch Patienten, bei denen die Krankheit schnell voranschreitet. Schübe führen häufig zu zunehmenden und ernsten Behinderungen wie Beeinträchtigungen beim Gehen, Muskelschwäche, Beeinträchtigungen beim Sprechen oder Sehen und vielen anderen. Mehr als 50% der remittierenden MS Patienten wird letztendlich 10-15 Jahre nach dem Auftreten der Erkrankung unter schweren Behinderungen leiden.

85% der erstmals diagnostizierten Patienten erleben klar definierte Schübe gefolgt von Zeitabschnitten mit teilweiser oder vollständiger Erholung oder Remission: die Form der schubförmig remittierenden (RRMS) MS. Die meisten RRMS Patienten treten in eine sekundäre Progressionsphase ein und entwickeln irreversible neurologische Defizite, die zu unterschiedlichen Formen der Behinderung führen. Bei der primären progredienten Form der Erkrankung, erleben Patienten die Behinderungsprogression ohne Schübe.

WARUM? Die Erkrankung ist charakterisiert als komplex multifaktoriell, da multiple Umweltfaktoren und biochemische Prozesse gleichzeitig auf die Pathogenese der Erkrankung einwirken (ein ineinandergreifendes, dynamisches Netzwerk von Ereignissen). Diese Faktoren lösen eine Kaskade von Ereignissen wie Autoimmunität, akute entzündliche Verletzungen von Myelin, Axonen und Glia, Neurodegeneration und strukturelle Reparaturen aus. All diese Faktoren führen zu einer Zerstörung des zentralen Nervensystems.

Die Zusammensetzung mehrfach ungesättigter Fettsäuren (PUFA) in Membran Phospholipiden spielt eine wichtige Rolle bei immunvermittelter und nicht-immunvermittelter Entzündung. Defizite von PUFA und Antioxidatien, sowie verminderte zelluläre antioxidative Schutzmechanismen wurden bei MS Patienten festgestellt. Die Ursache von PUFA-Defiziten ist nicht vollständig geklärt und könnte Veränderungen des Stoffwechsels und der Ernährung betreffen. Verstärkte oder unkontrollierte Entzündungsprozesse tragen zu vielen verschiedenen akuten und chronischen Krankheiten bei und sind charakterisiert durch die Produktion inflammatorischer Zytokine, Arachidonsäure (AA)-abgeleiteter Eicosanoide (Prostaglandine (PFs), Thromboxane (TXs), Leukotriene (LTs) und andere oxidierter Derivate) und anderer entzündlicher Stoffe wie reaktive Sauerstoffspezies (ROS), Stickstoffradikale (NO) und Adhäsionsmoleküle. Während einer Entzündung ist die Glutamat Homöostase durch die Freisetzung erhöhter Mengen von Glutamat aus aktivierten Immunzellen verändert, was die Überaktivierung von Glutamatrezeptoren auf der einen Seite und den exzitatorischen Tod von Oligodendrozyten auf der anderen Seite bewirken kann. Unter anderem können Membran-assoziierte Pathologie, immunvermittelte Entzündung, oxidativer Stress und Exzitotoxizität potentiell wirkungsvolle Ziele für den Eingriff bei MS darstellen.

WER? MS ist eine multifaktorielle, chronische, unvorhersehbare und progressive Autoimmunerkrankung des Zentralnervensystems, die relative junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren betrifft. Sie induziert die Entzündung und Zerstörung der Myelinscheide, welche die Nervenfasern des Körpers als schützende Schicht umgibt. Myelin ist hauptsächlich aus Lipiden (~80%) aufgebaut, die zum größten Teil aus PUFA Lipiden (DHA) bestehen.